Jean-Jacques Lebel

Es ging hoch her in den 60er-Jahre-Happenings des Franzosen Jean-Jacques Lebel. Sein Name war Synonym für ausschweifende, skandalöse Kunst-Aktionen. So gab es etwa während des Happenings "120 dem göttlichen Marquis gewidmete Minuten" von 1966 Jazzmusik und LSD, patriotische Lieder wurden gesungen und nackte Hintern versohlt. Eine Sängerin im Evakostüm urinierte ins Publikum, ließ sich mit Schlagsahne bedecken, Nonnen kamen hinzu, schließlich ein nackter Transsexueller mit Davidstern und De-Gaulle-Maske. Lebel, der damit die "Konsumgesellschaft, die sexuellen und religiösen Tabus" attackierte und ihnen schamanische Riten, Initiationszeremonien und Totemismus entgegensetzte, wurde verhaftet, nach Appellen vieler Künstler und Intellektueller aber wieder freigelassen. Bald übertrug sich der anarchische, rebellische Geist seiner Happenings auf die Straßen von Paris. Sein aus der unlöslichen Verbindung von Malerei, Zeichnung, Collage, Assemblage und Installation bestehendes Werk lässt in großen Teilen an Direktheit und Drastik nichts vermissen. Bestimmend ist die Kreuzung von Sexualität und Politik im Geiste der Obszönität und jenseits aller ideologischen Korrektheit, gewürzt durch schwarzen Humor - immer auf der Basis radikaler Ausdrucksfreiheit. Lebel steht in seinem Versuch, Kunst und Leben zu verbinden, vor allem in der Tradition von Dadaismus und Surrealismus.